In den letzten Monaten wabert immer
wieder ein Begriff durch die deutschen Medien, der meist missverstanden
und oft falsch gebraucht bzw. unzureichend erklärt wird. Die Verwendung
des Begriffs “Salafismus”, hat sich im Sprachgebrauch, vor
allem der Medien, so weit eingebürgert, dass meines Erachtens nach alles
konservativ islamische mit diesem Begriff tituliert wird, ohne die
Nötige Differenzierung. Dabei er gibt sich jedoch ein Problem.
Puristische, apolitische Salafisten, werden mit dem selben Label
versehen wie terroristische Organisationen, die ihre Ideologie an den
Salafismus anlehnen – zum Beipiel al-Qaeda.
Als ein Beispiel für die mehr als
unglückliche Verwendung und Erklärung möchte ich ein Zitat aus der
Süddeutschen Zeitung vom 20 Juni 2011 anführen.
“[Der] Salafismus ist eine Spielart des Wahhabismus, der übersteigerten puritanischen saudischen Staatsreligion.”
“Diebe der Revolution” in Süddeutsche Zeitung S. 3 vom 20. Juni 2011
In diesem Artikel werde ich die verschiedenen Entwicklungen des Salafismus aufzeigen, von den historischen Vorbildern, den so genannten as-salaf as-salih (die rechtschaffenen Altvorderen; die Gefährten des Propheten Muhammads, bis in die dritte Generation) über den “reformistischen Salafismus” alà ‘Abduh und Rida, über “politischen Salafismus” der Muslimbrüderschaft. Abschließend wende ich mich dem “jihadistischen Salafismus” zu, als deren Hauptvertreter al-Qaeda allen bekannt ist.
Dabei halte ich mich an das von Wiktorowicz ausgearbeitet Model, der den Salafisms,
in drei Strömungen einteilte, die puristische, die politische und die
jihadistische. Quintan Wiktorowicz ist insbesondere durch seine
Verbindung der Social Movement Theory mit islamistischen Bewegungen
bekannt.
Als die historischen Vorbilder, im
wahrsten Sinne des Wortes, dienen der Prophet Muhammad, dessen Gefährten
und all jene die Muhammad oder dessen Gefährten noch persönlich kennen
konnten. Deswegen hat man die Grenze bei der dritten Generation nach
Muhammad gesetzt. Die frühe Gemeinde, die sich um den Propheten
sammelte, wird als die ideale Form von Gemeinschaft angesehen, weswegen
sie heute noch als Vorbild dient. Einige Salafisten kleiden sich
deswegen dem Beispiel Muhammads entsprechend.
Besondere Beliebtheit, erlangte der Begriff “Salafismus”,
Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu verdanken, hatte er dies,
vor allem der Reformbewegung, deren beiden Köpfe ‘Abduh und Rida’
waren. Sie wirkte hauptsächlich von Ägypten aus und ihre Ideen ging auf
Afghani zurück. Die Anhänger des “reformistischen Salafismus”,
waren um einiges liberaler, als die heutigen Salafisten. Sie wollten den
Islam an die Moderne anpassen durch Reformen des Bildungs-,
Wirtschafts- und Herrschaftssystem. Die gegenwärtigen Salafisten
beziehen sich in aller Regel nicht auf die genannten “reformistischen Salafisten”. Sie halten diese, zum Teil, sogar als vom Glauben abgefallen.
Die wirklichen Vordenker der heutigen
Salafisten, sind insbesondere Ahmad b. Hanbal, Begründer der
hanbalitischen Rechtsschule, sowie Taqi ad-Din b. Taymiyya und Muhammad
b. Abd al-Wahhab. Sie beeinflussten alle drei Richtungen des
gegenwärtigen Salafismus (puristisch, politisch und jihadistisch), auf
die ich im folgenden näher eingehen werde.