Dienstag, 14. Januar 2014

Der osmanische Architekt, hier vielleicht dargestellt in
einer osmanischen Miniatur.


Mensch der Woche: Sinan - der Michelangelo der Osmanen


Sinan, mit vollem Namen wahrscheinlich Yusuf Sinan (oder Sinanüddin) bin Abdullah (oder Abdülmennan, Abdurrahman, Abdülkerim),[1] (* um 1490 vermutlich in Ağırnas bei Kayseri; † 17. Juli 1588 in Konstantinopel) war der bedeutendste osmanische Architekt zu Zeiten der Sultane Selim I., Süleyman I., Selim II. und Murad III. In dieser Eigenschaft erhielt er Ehrentitel wie beispielsweise Koca Mimar Sinan Ağa (Osmanisch: ‏قوجه معمار سنان آغا‎; Ḳoca Miʿmār Sinān Āġā).[2] Allgemein bekannt wurde er unter dem Kurznamen Mimar Sinan („Architekt Sinan“).
Das Werk Sinans, der auch als Bauingenieur und Städtebauer wirkte,[3] gilt als Höhepunkt der klassischen osmanischen Architektur. Sinans Bedeutung wird durch Bezeichnungen wie „Euklid seiner Epoche“[4] oder „Michelangelo der Osmanen“[5] durch Zeitgenossen und Fachliteratur deutlich. Er gilt als einer der größten Architekten aller Zeiten.[6] Einige seiner Moscheen werden in ihrer Kongruenz und Harmonie von Innen- und Außenwirkung unter Kunsthistorikern als die vollkommensten der vorindustriellen Zeit angesehen.



 Leben


Sinans genaue Geburtsdaten sind nicht bekannt. Die lückenhaften und teilweise widersprüchlichen Informationen über seine Familie und sein Leben gründen großenteils auf Verschriftlichungen mündlicher Mitteilungen Sinans durch seinen Freund, den Dichter Mustafa Sâ'î Çelebi,[7] sowie dem Briefwechsel aus seiner Zeit als Generalbaumeister, seiner Stiftungsurkunde (Vakfiye) und dem Epitaph an seinem Grabmal.

Sinan wuchs als Sohn griechisch-orthodoxer Christen,[10] die möglicherweise türkisch-sprachig waren,[11][12] im kappadokischen Dorf Ağırnas bei Kayseri auf und wurde vermutlich auf den Namen Joseph oder Yusuf getauft. Ob er in Ağırnas geboren ist, ist genauso unbekannt wie die ethnische Herkunft seiner Familie, die griechischen[13][14] oder armenischen[15] Ursprungs gewesen sein kann. In Ağırnas wurde er möglicherweise Steinmetz. Er kam als junger Mann 1512/13/14 durch eine ungewöhnlich späte Knabenlese nach Istanbul und wurde zum Zimmermannsmeister sowie in der Rekrutentruppe (acemi ocağı) militärisch ausgebildet. In den folgenden Jahrzehnten nahm er an den meisten Feldzügen unter den Sultanen Selim I. und Süleyman I. teil (Çaldıran, Damaskus, Kairo, Belgrad, Rhodos, Mohács, Wien, Täbris, Bagdad, Korfu, Apulien, Moldawien usw.) und lernte somit die verschiedensten Architekturtraditionen kennen.
Bei der Einnahme Belgrads wurde er 1521 mit dem Namen Sinān b(in) ʿAbdüʾl-Mennān bei den Janitscharen aufgenommen.[16] Von 1523 bis 1526 war er Atlı Sekban (oder Atlı Seğmen = berittener „Hundewächter“; berittener Jäger; Janitscharenoffizier) und nach 1526 wurde er zum Yayabaşı (Infanteriehauptmann) befördert. Danach befehligte er als Zemberekçibaşı (= Kommandant der Artillerie) das 82. Korps (ocak) und wurde nach dem Irakfeldzug 1535 zum Haseki (Oberst der kaiserlichen Leibgarde) ernannt. Er diente dabei gleichzeitig ab den 20er Jahren zunächst als Militäringenieur, später trug ihm sein Talent beim Bauen von Festungen, Brücken usw. in den 1530er Jahren den Posten als Chef der Mechaniker ein. Zwischen den Feldzügen errichtete er auch einige zivile Gebäude, so dass er 1537/38/39,[17][18] nach dem Tode seines Vorgängers Acem Ali, den Titel „Ser-Mimâr-ı Mimârân-ı Hassâ“ (= Oberhaupt der Hofbaumeister) erhielt.
Mit dem Bau oder der Fertigstellung der Haseki-Hürrem-Sultan-Moschee (1538/39) begann eine der bemerkenswertesten Karrieren in der Architekturgeschichte. Sein erstes großes Werk war die Şehzade-Moschee in Istanbul (erbaut 1543–1548). Weitere Hauptwerke sind die Süleymaniye-Moschee in Istanbul (1550–1557) und die Selimiye-Moschee in Edirne (1567/68–1574/75). Auf den Reiseschriftsteller Evliya Çelebi geht die sonst nicht bestätigte Meinung zurück, Sinan selbst habe diese drei Moscheen als „Lehrlingsstück“ (Şehzade-Moschee), „Gesellenstück“ (Süleymaniye-Moschee) und „Meisterwerk“ (Selimiye-Moschee) bezeichnet.[19] Doch auch zwischen diesen großen Hauptwerken entstanden zahlreiche profane und religiöse Bauten von exquisiter Qualität und Originalität. So schuf er nach der Selimiye-Moschee noch zahlreiche Moscheen, die wieder neue Lösungen der Überkuppelung auf hexagonalem oder oktogonalem Stützsystem zeigten.
Sinan war als Chefarchitekt des Hofbauamtes nicht nur für die Baustruktur zuständig, sondern gestaltete oft auch den Innenraum, zum Beispiel durch akzentuierte Platzierung von Fliesenpaneelen. Während seiner 50-jährigen Amtszeit erhöhte sich aufgrund der enormen Bautätigkeiten die Anzahl der Architekten unter ihm von 17 auf über 30[20] – mehr als ein Drittel waren nicht konvertierte Christen. Zudem bildete er im Laufe seiner 50-jährigen Chefarchitektenzeit 250 Schüler aus, wovon ein Schüler, Yusuf, unter dem Mogulherrscher Akbar dem Großen in Indien diente.
Wenig ist über seine Familie bekannt. Aus der Urkunde seiner zwischen 1583 und 1585 eingerichteten Stiftung ist ersichtlich, dass er verheiratet war, einen zu Sinans Lebzeiten verstorbenen, als Märtyrer bezeichneten Sohn, zwei Töchter, einen Enkelsohn, einen christlichen und einen zum Islam konvertierten Bruder sowie zwei Neffen und drei Großnichten hatte.[21]
Sinan starb im Jahr 1588 und ist am nördlichen Rande der Külliye der Süleymaniye-Moschee in Istanbul in einer schlichten, von ihm selbst entworfenen Türbe begraben.
Zur Erinnerung an den großen Baumeister wurde in Istanbul die Mimar-Sinan-Universität im Stadtteil Fındıklı nach ihm benannt.

 Mehr in meinem Wikipedia Artikel.

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